Dienstag, 5. Oktober 2010

Der Naturpark Dübener Heide – der erste deutsche Bürger-Naturpark

Brunnen in Dahlenberg, Foto: Männe / pixelio.de
Die primäre Besonderheit des 1992 gegründeten, knapp 800 Km² großen, zwischen und bei den Städten und Gemeinden Leipzig, Bad Düben, Bitterfeld, Dessau, Coswig, Wittenberg, Kemberg, Pretzsch, Torgau und Eilenburg und jeweils zur Hälfte in den beiden Bundesländern Sachsen-Anhalt und Sachsen liegenden Naturparks Dübener Heide ist sicher seine nicht amtlich bedingte Entstehungsgeschichte. Es ist viel mehr den vielen in der Wendezeit entstandenen lokalen Bürgerinitiativen, die sich gegen weiteren Braunkohleabbau und für den Naturschutz engagierten, zu verdanken, dass der heute als Refugium seltener Pflanzen und Tiere wie z.B. Kraniche, Seeadler, Biber und Rothirsche akzeptierte und geschätzte Park nicht seinerzeit Baggern und Abraumhalden zum Opfer fiel, sondern zum Naherholungs-, Landschafts- und Naturschutzgebiet erklärt wurde. Exemplarisch hierfür steht u.a. das bereits seit 1988 langfristig konzipierte Naturschutzgroßprojekt Presseler Heidewald- und Moorgebiet.


Als einer der jüngsten Naturparks Deutschlands ist er landschaftlich vor allem von Mooren, mit Hügeln durchsetzten Endmoränen, Heideflächen, großen und kleinen Seen, Flussauen, Buchen-, Kiefern und Eichen- sowie Nadelwäldern und den beiden östlich bzw. westlich verlaufenden Flüssen Elbe und Mulde geprägt. Einsame gelegene Heidedörfer und ruhige Kleinstädte wiederum charakterisieren das Menschen gemachte Erscheinungsbild dieser alten Kulturlandschaft, die Jahrzehnte lang gerade auch von Berg- und Tagebau, Pechhütten, Köhlereien und Mühlen bestimmt wurde, deren Renaturalisierungserfolge wie z.B. anhand des ehemaligen Tagebaus und jetzt gefluteten Muldestausees aber schon jetzt deutlich sichtbar sind. Beeindruckende Freiluftmuseen und Industriedenkmäler dieser regionalen Wirtschaftsgeschichte sind z.B. das Ferropolis-Gelände bei Gräfenhainichen an der nordwestlichen Grenze des Parks und die Friedrichshütte von Durchwehna.

Die mittlerweile etwa eine halbe Million Übernachtungen und etwa 2 Millionen Tagesgäste pro Jahr, die der Naturpark stolz vermelden kann, gehen nicht zuletzt auch auf die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Gegend zurück, die sowohl historische Einsichten vermitteln, als auch das kulturelle Leben der Region anschaulich machen. Zu den bekanntesten diesbezüglichen Attraktionen gehören die Burg mit Landschaftsmuseum, die Schiffmühle, der Gesundbrunnen, die Lutherlinde und der Kurpark in Bad Düben, die Stadtkirche, der Wasserturm und die verschiedenen Friedhofsdenkmäler in Bad Schmiedeberg, der Lutherstein, der Biberbeobachtungsturm und die Köhlerei in Eisenhammer, der Markt mit der Postmeilensäule in Kemberg, die Bockwindmühlen in Löbnitz und Reibitz, die Windmühlen in Paschwitz und Glaucha, der Rote Turm von Pouch, das Mordkreuz, der Teufels- und der Zschimmerstein in Schköna, das Wasserschloß Schnaditz, die Bärensäule in Weidenhain und natürlich die historische Altstadt mit Markt, das Luther- und das Melanchtonhaus, die Cranachhöfe, die Stadtkirche und die Schloßkirche der berühmten Lutherstadt Wittenberg.

Weitere Sehenswürdigkeiten der Region, die etwa im Rahmen von Wander- und Radtouren entlang der  beliebten und auch empfohlenen Strecken wie z.B. dem Tiglitzrundweg, dem Naturlehrpfad von Burgkemnitz in Richtung Gossa, dem Gesundbrunnenweg von Bad Düben in Richtung Söllichau und auf den Radwanderrouten der Mitteldeutschen Kirchenstraße besichtigt werden können, sind das Bertagrab und das Reitergrab zwischen Schköna und Reinharz, die Hügelgräber zwischen Gräfenhainichen und Schköna, das Militärmuseum Bunker Kossa, die Steinkreuze in Pretzsch, Schköna und Gräfendorf, das Bundesradfahrerdenkmal im Kurpark von Bad Schmiedeberg und das kuriose Beil am Kirchturm in Mockrehna auf halber Strecke zwischen Eilenburg und Torgau.

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